Günstige Flüge mit Meilen finden durch systematische Analyse der Verfügbarkeiten

Verfügbarkeits-Analyse für günstige Flüge mit Meilen: Miles & More Portfolio und Star-Alliance-Hacking im Vergleich

Ein Sitzplatz gilt bei United als frei, exakt derselbe Sitz gilt beim ANA Mileage Club als ausgebucht: zwei Datenbanken, eine Route, zwei widersprüchliche Antworten. Genau diese Lücke zwischen angezeigter und tatsächlicher Verfügbarkeit ist der Kern meiner quartalsweisen Verfügbarkeits-Analyse, und sie lässt sich nicht mit Glück schließen, sondern nur mit einer sauberen Meilen-Strategie über mehrere Programme hinweg. Dafür vergleiche ich laufend Miles & More, ANA Mileage Club, KrisFlyer und Avios gegeneinander, weil kein einzelnes Programm allein die komplette Wahrheit über eine Strecke liefert.

Miles & More Portfolio statt Senator-Wette

Jahrelang lief mein Ansatz anders: Ich sammelte fast ausschließlich Miles & More und wartete auf den nächsten Senator-Status, statt die Bestände aktiv über mehrere Allianzen zu verteilen. Das hat nicht funktioniert — nach dem Verlust des Status stand ich mit einem einzigen Programm da, dessen Einlöse-Logik sich gerade verschlechtert hatte, und ohne Ausweichoption in der Hinterhand. Seitdem behandle ich jedes Programm wie eine eigene Anlageklasse mit eigenem Risiko- und Renditeprofil, ähnlich wie bei einem ETF-Portfolio, bei dem man ebenfalls nicht auf einen einzigen Fonds setzt.

Am L-förmigen Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer im zweiten Stock eines Gründerzeit-Altbaus in Frankfurt-Bornheim hängt mittlerweile eine ganze Wand mit handgeschriebenen Tabellen zu jedem aktiven Programm, dazu für jedes einen eigenen Ordner, damit Verfallsdaten und Buchungsfenster nicht durcheinandergeraten. Der Kaffee daneben ist meistens kalt, bevor der Transfervergleich zwischen den Kreditkartenprogrammen fertig ist. Mein früherer Projektkollege Fridolin Wächter, mit dem ich seit einem gemeinsamen Rollout-Projekt regelmäßig Programmtabellen austausche, verfolgt dabei eine andere Schule: Er jagt fast ausschließlich Kreditkarten-Willkommensboni und ignoriert das langsame Dauerpunkte-Sammeln komplett. Beide Ansätze lassen sich rechnen, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.

Die unterschiedliche Verfügbarkeit zwischen Programmen

Wer den Lufthansa Senator-Status anstrebt, muss aktuell die Schwelle von 2.000 Points erreichen — für mich als Berater eine kalkulierbare Übung, aber die eigentliche Rendite liegt nicht im Status, sondern in der Einlösung der gesammelten Meilen. Die meisten Nutzer scheitern schon an der Oberfläche der Buchungsmasken, während die tatsächliche Verfügbarkeit tief in den Antworten des Global Distribution System (GDS) liegt, das im Hintergrund zwischen den Allianzen vermittelt.

Cent-pro-Meile-Kalkulation und Miles & More Portfolio-Tabelle für die Verfügbarkeits-Analyse auf dem Laptop-Bildschirm.

Der British Airways Executive Club erlaubt eine maximale Buchungsvorausschau von 361 Tagen, andere Programme öffnen ihre Kontingente dagegen erst deutlich später — wer diese Zeitfenster kennt, sichert sich Plätze, bevor sie in den großen Suchportalen überhaupt sichtbar werden. Innerhalb der Star Alliance mit ihren 26 Mitgliedsgesellschaften ist genau das mein liebstes Star-Alliance-Hacking: das systematische Ausnutzen unterschiedlicher Buchungsfenster statt des Wartens auf einen Zufallstreffer.

Kurzstreckenpreise schlagen die Business-Class-Fantasie

Für die aktuelle Auswertungsrunde habe ich eine Kalkulation für Kurzstrecken zusammengestellt, die in den meisten Portfolio-Diskussionen unterschätzt werden. Eine vollständige Herleitung der Cent-pro-Meile-Rechnung liefert ein anderer Artikel auf dieser Seite, hier reicht der reine Vergleich:

Route Klasse Programm Meilen Zuzahlung Cash-Preis CPM (Cent)
FRA-LHR Economy Avios 9.250 23,50 € 185,00 € 1,75
FRA-MAD Economy Miles & More 15.000 35,00 € 210,00 € 1,17
FRA-SFO Business KrisFlyer 103.500 260,00 € 3.450,00 € 3,08

Die Tabelle zeigt ein Muster, das sich in jeder Auswertungsrunde bestätigt: Kurzstrecken-Economy schlägt oft den prestigeträchtigen Langstrecken-Traum, weil die Zuzahlung für Kerosin und Steuern im Verhältnis viel niedriger ausfällt. Business-Class-Prämien auf der Langstrecke wirken beeindruckend, liefern aber pro eingesetzter Meile regelmäßig den schlechteren Gegenwert als eine unscheinbare Kurzstrecke.

Verfallsfristen im Portfolio-Alltag

Um den Jahreswechsel stieß ich erneut auf das Phänomen, das ich Ghost Availability nenne: Die Suche bei einer Partner-Airline zeigte einen freien Sitz, aber weder das Callcenter noch die Buchungsmaske von ANA Mileage Club konnten den Platz bestätigen. ANA lässt bei Prämienflügen ausschließlich Round-Trip-Buchungen zu, was die Fehleranfälligkeit zusätzlich erhöht, und sobald ein Segment eine IT-Latenz zwischen den Partnersystemen hat, bricht die komplette Kette zusammen. In meinem Fall hatte ein Nutzer von KrisFlyer den Platz in der Zwischenzeit über das eigene Kontingent von Singapore Airlines gesichert, weil dessen native Systeme schneller reagierten als die Schnittstelle zu ANA. Die Lehre daraus: Eine Anzeige bei einem Drittanbieter ist eine Momentaufnahme, keine Reservierung.

Verfallsfristen gehören ins gleiche Kapitel wie Ghost Availability, weil beide auf derselben Nachlässigkeit beruhen — der Annahme, ein Guthaben sei sicher, nur weil es im Konto steht. KrisFlyer-Meilen verfallen fix nach 36 Monaten, unabhängig von weiterer Kontoaktivität, während Miles & More den Verfall über Status oder eine hinterlegte Kreditkarte stoppen kann. Waldemar Böck, ein Leser, der mir nach einem früheren Artikel über meinen Statusverlust geschrieben hatte, fragt in fast jeder Nachricht nach genau diesen Detailfristen — wann welches Konto inaktiv wird, welche Buchung den Countdown noch stoppt. Seine letzte Nachricht erreichte mich, während ich in der Frankfurter Senator Lounge, Terminal 2, Pier G, auf einen Anschluss wartete und zwischen zwei Boarding-Durchsagen die Verfallsdaten in meinem Dashboard aktualisierte. Genau deshalb markiere ich KrisFlyer-Bestände dort als besonders dringlich, sobald sich das Ablaufdatum nähert, und nutze dann den Vergleich der Tools zur Suche nach Prämienflügen für effektive Meilenbuchungen, um vor dem Verfall noch ein Routing zu finden.

Prüfe die native Verfügbarkeit, bevor du planst

In der Zürich-Lounge reichte einmal ein einziger Scan meiner ANA-Karte am Terminal, um durchgelassen zu werden — ohne dass in meinem Namen ein einziges Lufthansa-Ticket existierte. Diese Zugangslogik dokumentiere ich seit der achten Woche meiner aktuellen Auswertungsrunde genauso konsequent wie jede Meilenbuchung: welches Programm welche Tür öffnet, unabhängig vom Ticket, das ich tatsächlich in der Hand halte. Sweet-Spot-Buchungen über Avios oder ein cleveres Round-the-World-Ticket über ANA mit seiner eigenen Steuer- und Gebührenlogik gehören in ein anderes Kapitel, ebenso wie die Frage, ob sich ein Status überhaupt noch gegenüber einem breiten Meilen-Portfolio rechnet oder wie man Punkte über Transferpartner zwischen Kreditkarten und Programmen verschiebt. Wer mit Partner oder Familie reist, stößt außerdem schnell auf Meilen-Pooling über ein Family Account, eine eigene Rechnung für sich. Für komplexere Vorhaben wie Stopover-Konstruktionen, die den Wert pro Meile deutlich steigern können, lohnt sich ein Blick in die Strategien für komplexe Meilen-Routings. Die eigentliche Lektion aus all den Auswertungsrunden bleibt aber banal: Eine Anzeige ist erst dann eine Buchung, wenn das native System des ausstellenden Programms sie bestätigt — alles davor ist nur ein Hinweis, dem man nicht blind vertrauen darf.