
3,2 Cent pro Meile ist die Obergrenze, die ich einem Business-Class-Ticket aus dem Amex-Transferportfolio aktuell realistisch zuschreibe – mehr gibt der Markt in dieser Kategorie kaum her. Dieser Kreditkarten-Vergleich 2026 zwischen der Amex Platinum und der Miles & More Gold dreht sich um genau diese Zahl: nicht um Prestige, sondern um Nettorendite nach Gebühren.
Transparenzhinweis: Einige Links in diesem Vergleich sind Affiliate-Links; kaufst du darüber, bekomme ich eine Provision, ohne dass für dich Mehrkosten entstehen. Verlinkt sind ausschließlich Programme und Kurse, die ich selbst für mein eigenes Portfolio-Management genutzt und bezahlt habe. Seit meinem Senator-Verlust 2017 überlasse ich Upgrades nicht mehr dem Zufall, sondern der Kalkulation.
Am 14. Mai 2026 verbuchte ich 105.000 Meilen für eine FRA-SIN-Verbindung in der Business Class, A380-Oberdeck. Der faire Marktwert des Tickets abzüglich Steuern lag bei 3.420 EUR, macht die eingangs genannten 3,2 Cent pro Meile. Für mich sind solche Einzelbuchungen nur insofern relevant, als sie den cpm-Wert eines Transferpartners bestätigen oder widerlegen – die eigentliche Portfolio-Entscheidung zwischen Amex Platinum und Miles & More Gold liegt eine Ebene darüber.
Bevor überhaupt eine Portfolio-Logik existierte, lag mein gesamter Jahresumsatz auf der kostenlosen Kreditkarte meiner Hausbank – der Meilenkurs dort war so schlecht, dass sich die paar Punkte kaum in eine Kalkulationstabelle einzutragen lohnten. Trotzdem habe ich Jahre gebraucht, um zu wechseln, weil der gefühlte Umstellungsaufwand größer wirkte als der tatsächliche Verlust. Woran ich mich noch genau erinnere: eine Bank im Grüneburgpark, auf der ich zum ersten Mal eine komplette Kartenabrechnung durchgerechnet habe – und die entsprechende Zelle in meiner Tabelle sprang von Rot auf 1,85 Cent pro Meile, das erste Grün, das ich je gesehen hatte.
Ein Bekannter aus der Nachbarschaft optimiert nichts von alledem: Er verbringt seine freien Wochenenden lieber beim Segeln auf dem Rhein bei Rüdesheim als beim Prüfen von Sitzverfügbarkeiten. Das ist keine schlechtere Entscheidung, nur eine andere Art, Freizeit und Kapital zu bepreisen. Wer sein Geld stattdessen in einem ETF-Portfolio arbeiten lässt, in Cashback-Optimierung steckt oder auf einem festgelegten Tagesgeldkonto parkt, sollte Meilen nach demselben Maßstab bewerten: Nettorendite nach Kosten, nicht Bruttopunkte vor Gebühr.
40.000 Euro Jahresumsatz: Die Ausgangsrechnung für beide Karten
Um die Amex Platinum und die Miles & More Gold vergleichbar zu machen, lege ich einen Standard-Jahresumsatz von 40.000 EUR zugrunde. Wer deutlich weniger umsetzt, sollte das eigene Setup grundsätzlich infrage stellen, weil die Jahresgebühr sonst die Rendite auffrisst, bevor überhaupt eine Meile eingelöst wird.

Die folgende Matrix zeigt den Yield-Vergleich für 2026, gerechnet mit dem Amex Rewards Turbo, den praktisch jeder ernsthafte Sammler für 15 EUR im Jahr zusätzlich aktiviert, um die Sammelrate auf 1,5 Punkte pro Euro zu heben.
| Kennzahl | Amex Platinum (inkl. Turbo) | Miles & More Gold (Privat) |
|---|---|---|
| Jahresgebuehr | 720 EUR | 138 EUR |
| Sammelrate | 1,5 MR / 1 EUR | 1 Meile / 2 EUR |
| Punkte/Meilen bei 40k Umsatz | 60.000 MR Points | 20.000 Meilen |
| Transfer-Ratio (Airlines) | 5:4 (48.000 Meilen) | 1:1 (Direkt) |
| Brutto-Wert (bei 2,5 cpm) | 1.200 EUR | 500 EUR |
| Netto-Rendite (Punkte minus Gebuehr) | 480 EUR | 362 EUR |
Netto bleibt bei der Amex Platinum mehr übrig, obwohl die Jahresgebühr mehr als fünfmal so hoch liegt wie bei der Miles & More Gold. Der Grund liegt nicht in der Kulanz der Bank, sondern in der reinen Punktemechanik, die sich im nächsten Abschnitt auflöst.
Amex Platinum als Skalpell für globale Sweet Spots
90 % meiner Ausgaben laufen über die Amex Platinum, und der entscheidende Vorteil ist nicht die Lounge-Ausstattung, sondern die Diversifikation. Über mehr als 12 Transferpartner lässt sich arbitrieren: Schränkt Miles & More die Verfügbarkeiten für Meilenschnaeppchen auf einer gefragten Route ein, wandern die Punkte eben zu Avios oder KrisFlyer.
Anfang 2026 lagen die Verfügbarkeiten im Miles & More Partner-Kontingent für eine ANA-First-Class-Verbindung nach Tokio faktisch bei null. Über das Amex-Portfolio ließ sich stattdessen auf einen weiteren Transferpartner mit freiem Sitzplatz ausweichen. Wer in einem einzigen Programm gefangen ist, verliert bei jeder Abwertung sofort Kaufkraft, ohne Ausweichmöglichkeit. Wie man solche Transferwege mathematisch sauber plant, ist Kernbestandteil der Priority Meilen MasterClass, mit der sich der eigene cpm-Wert stabil über 2,5 halten lässt.

Warum schlägt die höhere Sammelrate den Transferverlust von Amex?
Kritiker führen gern das Transferverhältnis von 5:4 an: Beim Übertrag zu Airlines wie Singapore Airlines oder British Airways gehen rechnerisch 20 % der Punkte verloren. Meine Zahlen zeigen trotzdem ein klares Bild – die um 200 % höhere Sammelrate der Amex Platinum (1,5 statt 0,5 Meilen pro Euro) kompensiert diesen Verlust deutlich. Aus 40.000 EUR Umsatz bleiben nach dem Transfer 48.000 Meilen übrig, während die Miles & More Gold im selben Zeitraum nur 20.000 Meilen generiert – ein Effizienzvorsprung um den Faktor 2,4. Wie sich diese Transferpartner-Vielfalt strukturell auswirkt, rechne ich im Detail in meinem Vergleich zum Thema Amex Punkte zu Meilen übertragen vor: Genau diese Vielfalt an Transferpartnern ist der strukturelle Vorteil gegenüber einer Karte, die nur ein einziges Programm direkt bedient.
Miles & More Gold sichert den Meilenbestand ab
Die Miles & More Gold bleibt trotzdem im Portfolio, allerdings nicht wegen des Yields beim Bäcker um die Ecke. Seit dem Senator-Verlust dient die Karte als reine Absicherung: Sie stoppt den Verfall meines Restbestandes von rund 240.000 Meilen, die für gezielte Lufthansa-First-Class-Einlösungen reserviert bleiben.
Ein weiterer Punkt sind die Versicherungsleistungen: Während das Amex-Paket exzellent ist, aber an den Karteneinsatz gebunden bleibt, liefert die M&M Gold in einzelnen Fällen – etwa bei der Mietwagen-Vollkasko – einen soliden Backup. Wer die Karte jedoch nur zum Sammeln nutzt, verschenkt Rendite durch Opportunitätskosten; beim KrisFlyer Meilen-Einloesen zeigt sich regelmäßig, dass Amex-Punkte schneller und günstiger ans Ziel führen. Wer schon einmal nach Mitternacht auf einen aktualisierten KrisFlyer-Screen gewartet hat, kennt das kalte Blau, das dabei auf dem Gesicht liegt, kurz bevor sich zeigt, ob überhaupt ein Sitz frei wird.

Wenn die Kalkulation an ihre Grenzen stößt
Nicht jede Buchung geht auf. Im April 2026 plante ich eine Kurzstrecke innerhalb Europas über Avios und hatte die Logik aus meinem Leitfaden zu Avios Sweet Spots im Kopf, übersah aber eine kurzfristige Erhöhung der Reward-Flight-Saver-Gebühren bei British Airways. Ergebnis: ein cpm-Wert von nur 1,1 – in solchen Fällen ist die Barzahlung schlicht die bessere Option, und die Meilen bleiben für Langstrecken-Upgrades reserviert.
Ein systematischer Sammler muss auch Nein sagen können, wenn die Quote nicht stimmt. Wer stattdessen in Richtung Senator-Status optimiert, sollte diese Entscheidung getrennt gegen den reinen Meilen-ROI rechnen – ein eigenes Kapitel, das hier nicht in der Tiefe behandelt wird.
Zusatzleistungen im strukturellen Vergleich
Bei den Zusatzleistungen zeigt sich ein weiterer Unterschied: Die Amex Platinum bringt zwei Prestige-Lounge-Pässe im Wert von zusammen rund 900 EUR mit, während die M&M Gold nur vergünstigten Zugang gegen Cash bietet. Dazu kommen bei Amex jährlich 200 EUR Reiseguthaben und 150 EUR Restaurantguthaben, die die effektive Jahresgebühr auf rechnerisch 370 EUR drücken, sofern man sie tatsächlich ausschöpft. Der Meilenschutz wiederum – ab 3.000 aus Umsatz gesammelten Meilen pro Jahr – bleibt ein exklusives Feature der M&M Gold und der eigentliche Grund, warum die Karte im Portfolio bleibt, statt gekündigt zu werden.
Grundsätzlich gilt: Wer sein Meilenkonto über mehrere Programme streut statt auf ein einziges zu setzen, senkt das Risiko, dass eine einzelne Abwertung die gesamte Kalkulation kippt – eine Logik, die sich eins zu eins aus der Portfolio-Theorie übertragen lässt. Wer ohnehin ein Round-the-World-Ticket über das ANA Mileage Club plant, muss Steuern und Carrier-Gebühren separat in die Rechnung aufnehmen, das sprengt hier den Rahmen. Und wer die Break-Even-Logik aus der Tabelle oben grundsätzlich für jede neue Karte durchspielen will, braucht eine eigene Cent-pro-Meile-Prüfung, die über den Einzelfall hinausgeht. Einsteiger, die die Komplexität von zwölf Transferpartnern noch scheuen, finden im Meilen Master eine vereinfachte Einstiegsstrategie, bevor sie sich an die komplexeren Multi-Partner-Setups wagen.
Die Rendite entscheidet, nicht die Markentreue
Für 2026 steht die Rechnung fest: Die Amex Platinum ist das Core-Investment für alle, die mehr als 20.000 EUR Jahresumsatz auf eine Karte bündeln – die Nettorendite aus hoher Sammelrate und Transferflexibilität ist auf diesem Spend-Niveau kaum zu schlagen. Die Miles & More Gold dagegen bleibt Satelliten-Karte: sinnvoll, um bestehende Meilenbestände vor dem Verfall zu schützen und punktuelle Versicherungsleistungen mitzunehmen, aber kein Werkzeug, um aktiv Rendite zu erzeugen.
Wer Meilensammeln als Hobby betreibt, kommt mit der reinen Lufthansa-Karte klar. Wer es wie ein Investment behandelt, um regelmäßig Business Class zum Preis der Economy zu fliegen, kommt an Amex und den Transfer-Mechaniken nicht vorbei – und genau dafür bietet die Priority Meilen MasterClass den strukturierten Fahrplan, der am Ende den Unterschied zwischen 1,2 und 3,5 Cent pro Meile ausmacht.