
22 Prozent. So hoch war der Anteil meiner Stopover-Buchungen im ersten Halbjahr 2026, die am Ende in einer teureren Award-Klasse landeten als ursprünglich kalkuliert. Diese Zahl ist der Grund, warum ich Stopover-Routing als eigene Disziplin innerhalb meiner Meilen-Strategie behandle und nicht als kostenlose Zugabe zur Route. Als Vielflieger mit IT-Hintergrund rechne ich jede Award-Buchung wie ein Investitionsvorhaben durch, bevor ein zusätzliches Ziel überhaupt zur Debatte steht. Die Route allein entscheidet selten über den Wert einer Buchung – die Kette aus Buchungsklasse, Zonenregel und Programmbedingung tut es.
Direktflug oder Stopover-Routing: Zwei Ansätze im Cent-pro-Meile-Vergleich
Meine Auswertung der Strecke FRA-SFO in der Business Class aus dem November 2025 zeigt den Unterschied konkret: Der Direktflug erreichte im Schnitt 3,8 Cent pro Meile, dieselbe Kabine über ein geplantes Stopover-Routing kam auf 5,2 Cent. Ein Stopover ist für mich dabei kein Zwischenstopp zum Beine-Vertreten, sondern eine kalkulierte Zusatzstation, die für dieselbe Meilenzahl ein zweites Reiseziel in die Buchung holt und damit die Grenzkosten pro besuchtem Ort senkt. In meiner Kalkulationstabelle ist die Spalte mit dem Cent-Wert bedingt formatiert und färbt sich erst ab 5 Cent grün – bei der Stopover-Variante war das zuletzt der Fall, beim Direktflug blieb die Zelle rot. Wie ich den Cent-pro-Meile-Wert grundsätzlich herleite, habe ich an anderer Stelle im Detail vorgerechnet; hier dient er nur als Vergleichsmaßstab zwischen zwei Buchungswegen. Der Unterschied von 1,4 Cent pro Meile zwischen beiden Varianten macht sich bei größeren Meilensummen schnell deutlich bemerkbar.
Welches Programm erlaubt wie viele Stopovers?
Miles & More, ANA Mileage Club und KrisFlyer behandle ich nicht als austauschbare Konten, sondern wie drei Positionen in einem diversifizierten Portfolio, von denen jede eigene Stärken und eigene Stopover-Regeln hat. Bei mir im Arbeitszimmer stehen die drei Ordner für die Programme nebeneinander im Regal, jeder mit den aktuellen Stopover-Bedingungen auf der ersten Seite notiert, weil sich diese Details häufiger ändern, als die Programme selbst kommunizieren. Die folgende Übersicht fasst den aktuellen Stand zusammen:
| Programm | Stopover Limit | Zentrale Bedingung |
|---|---|---|
| ANA Mileage Club | 1 | Nur internationale Partner-Awards (Round-trip erforderlich) |
| Miles & More | 2 | Interkontinental-Prämien (je einer pro Richtung erlaubt) |
| KrisFlyer (Advantage) | 1 | Inkludiert bei One-Way Advantage Awards |

Phantom-Verfügbarkeit: Wenn die Suche mehr zeigt als die Buchung hält
Elodie, eine Leserin aus Zürich, hat mir vor kurzem einen Screenshot geschickt, der genau dieses Problem zeigte: Ein Segment war in der Suche verfügbar, verschwand aber, sobald sie es in ein komplexes Routing mit Stopover einbauen wollte. Diese Phantom-Verfügbarkeit ist bei Miles & More und ANA keine Ausnahme, sondern eine Folge unterschiedlicher Married-Segment-Logiken zwischen den Star-Alliance-Partnern. Ein Vergleich der Tools zur Suche nach Prämienflügen für effektive Meilenbuchungen zeigt, warum die manuelle Prüfung einzelner Segmente über spezialisierte Suchtools der Online-Maske meist überlegen ist, bevor man überhaupt die Hotline kontaktiert. Wer der ersten Anzeige blind vertraut, zahlt am Ende mit einer schlechteren Flugzeit oder einem zusätzlichen Umstieg – ein Preis, der in keiner Meilenrechnung auftaucht, aber trotzdem real ist.
Die 3-Regionen-Regel als harte Grenze
Ein Gabelflug (Open-Jaw), kombiniert mit einem Stopover, klingt nach der elegantesten Lösung für ein komplexes Routing. Allerdings funkt die Miles & More Regionen-Regel dazwischen. Zwischen Start und Ziel dürfen bei einem Award maximal zwei Zonen berührt werden; eine Route von Frankfurt über Singapur und Sydney nach Honolulu verletzt diese Grenze, weil sie mit Ozeanien eine dritte Zone streift, obwohl Ausgangs- und Zielregion nur Europa und Nordamerika sind. Bei einem klassischen Round-the-World-Ticket gelten nochmal andere, deutlich großzügigere Zonenregeln, die ich hier bewusst außen vor lasse, weil sie eine eigene Kalkulation verlangen. Für ein einfaches Stopover-Routing bleibt die Konsequenz simpel: Ein sauberes 2-Zonen-Routing in der günstigsten Buchungsklasse schlägt fast immer den Versuch, ein drittes Ziel gegen den Widerstand des Systems in ein Ticket zu pressen.

Wann sich der Verzicht auf den Stopover rechnet
Eine ähnliche Abwägung ging mir kürzlich auf einem Spaziergang an der Donaukanal-Promenade in Wien durch den Kopf, zwischen zwei Terminen bei einem Kunden vor Ort. In der Meilen-Community hört man oft den Rat, den Stopover unter allen Umständen mitzunehmen. Meine Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2026 widersprechen dem in gut einem Fünftel der Fälle: Sobald das Anschlusssegment keine Saver-Verfügbarkeit mehr hat, rutscht die gesamte Buchung in eine teurere Klasse, und der Grenznutzen des zusätzlichen Ziels ist kleiner als der Mehrpreis dafür.
Bei KrisFlyer wird das besonders deutlich, weil ein Stopover beim Saver-Award oft zusätzliche Meilen kostet, während er im Advantage-Tarif inkludiert ist. Liegt die Differenz zwischen beiden Tarifen bei 30.000 Meilen, entspricht der dreitägige Zwischenstopp in Singapur bei einer konservativen Bewertung von 2 Cent pro Meile einem Gegenwert von rund 600 Euro – und genau an diesem Punkt entscheide ich mich meistens gegen den Stopover. Konstanze, eine Bekannte aus alten BWL-Seminaren und mittlerweile Finanzanalystin, würde eine solche Einlösung ohnehin nie akzeptieren: Unter 1,4 Cent pro Meile bucht sie grundsätzlich nicht, egal wie reizvoll die Zwischenstation klingt. Wer die Meilen zusätzlich über ein Family-Pooling-Konto bündelt, muss diese Rechnung sogar für jedes Hauptkonto einzeln durchführen, weil sich Stopover-Regeln zwischen den Konten nicht automatisch übertragen. Ob sich parallel dazu der Senator-Status überhaupt noch rentiert, ist eine andere, komplett getrennte Rechnung.
Ich habe früh einmal versucht, Meilen direkt bei Lufthansa ohne laufenden Aktionsrabatt nachzukaufen – das war mit Abstand der teuerste Weg, den ich je gewählt habe, und ich habe ihn seitdem nicht wiederholt. Wie ich fehlende Meilen stattdessen über Transferpartner nachziehe, rechne ich an anderer Stelle im Detail vor; für diese Stopover-Betrachtung reicht die Feststellung, dass ein teurer Einstieg jede vorher kalkulierte Rendite sofort auffrisst.
So kalkuliere ich vor jeder Stopover-Buchung
Für komplexe Routings gilt bei mir eine einfache Faustregel: Ich nehme den Stopover, wenn die 3-Regionen-Regel nicht verletzt wird und die Saver-Verfügbarkeit über die gesamte Kette erhalten bleibt – und ich verzichte darauf, sobald eines der beiden Kriterien kippt, selbst wenn die Route auf dem Papier reizvoller aussieht. Diese Regel gilt unabhängig vom Programm, auch wenn die genauen Schwellenwerte je nach Miles & More, ANA Mileage Club oder KrisFlyer leicht variieren. Die eigentliche Suche nach dem besten Sweet-Spot innerhalb der Business-Class-Kabine ist dabei nochmal ein separates Kapitel, das ich an anderer Stelle ausführlicher durchrechne. Ein ähnliches Prinzip verfolge ich beim Business Class nach Südafrika mit Meilen im systematischen Kostenvergleich, wo die Segment-Verfügbarkeit ebenfalls über den gesamten Wert der Buchung entscheidet. Meilen-Optimierung bleibt für mich eine Disziplin der Datenpflege, nicht der Intuition – und genau diese Konsequenz unterscheidet ein profitables Routing von einem, das nur auf der Landkarte gut aussieht.