
62.000 Meilen gegen 4.200 Euro Kassenpreis – so stand es Anfang Juni 2026 im Buchungsfenster, als ich einen Business-Class-Sitz auf der Strecke FRA–SFO kalkulierte, macht rund 6,8 Cent pro Meile realisierten Wert. Genau diese Gegenüberstellung zeigt, warum das ANA Mileage Club Round the World Ticket am falschen Maßstab gemessen wird, wenn man bei der Meilen-Optimierung nur auf die reine Meilenzahl schaut. Der verbreitete Irrglaube unter Sammlern lautet: Je mehr Stopps und je mehr Meilen ins Ticket gepackt werden, desto besser der Gegenwert. Das stimmt nicht. Der Meilenpreis ist bei ANA tabellarisch fixiert und ändert sich nicht durch geschickte Streckenführung – variabel und entscheidend sind ausschließlich die Carrier Imposed Surcharges (YQ), die zwischen den Partnerairlines im Star Alliance Netzwerk um mehrere hundert Euro schwanken können.
Ein schlecht geplantes RTW-Ticket reißt bei den Zuschlägen leicht die 2.000-Euro-Marke, ein gut geplantes bleibt im niedrigen dreistelligen Bereich, bei identischer Meilenzahl. Wer diesen Unterschied ignoriert, vernichtet Kapital, ohne es zu merken, weil die Meilenzahl in der Tabelle unverändert gut aussieht, ganz gleich, welche Airline am Ende das Segment fliegt.
Die Distanzmatrix des ANA Mileage Club Round the World Tickets
Anders als Miles & More, das auf einem zonenbasierten System aufbaut, rechnet der ANA Mileage Club bei Weltreisen distanzbasiert. Die Summe der geflogenen Meilen bestimmt die Klasse, und jede Klasse hat einen fixen Meilenpreis – kein Verhandlungsspielraum, keine Grauzone. Diese Tabelle führe ich für die Business Class in meiner Portfolio-Steuerung:
| Gesamtdistanz (Meilen) | Meilenwert Business Class | Max. Stopovers |
|---|---|---|
| 14.001 - 18.000 | 105.000 | 8 |
| 18.001 - 20.000 | 115.000 | 8 |
| 20.001 - 22.000 | 125.000 | 8 |
| 22.001 - 25.000 | 145.000 | 8 |
Für alle vier Distanzklassen gelten dieselben Rahmenbedingungen, und genau die werden regelmäßig unterschätzt: maximal 8 Stopps und 2 Überlandstrecken (Surface Segments) sind erlaubt, die Route muss einen geografisch geschlossenen Kreis ergeben, und das komplette Ticket muss innerhalb von 12 Monaten ab dem ersten Flugsegment ausgeflogen sein. Diese drei Bedingungen, nicht die Meilenzahl, entscheiden am Ende, ob ein RTW-Ticket überhaupt praktikabel ist. Die 22.000-Meilen-Grenze hat sich in meiner Praxis als brauchbarster Zuschnitt erwiesen: genug Distanz für vier bis fünf Kontinente, aber noch bei moderaten 125.000 Meilen. Zum Vergleich kostet bei Miles & More ein einfacher Business-Class-Flug an die US-Westküste bereits 112.000 Meilen, sofern gerade kein Meilenschnäppchen verfügbar ist.

Warum entscheiden die Zuschläge über den Wert, nicht die Meilen?
ANA Mileage Club reicht die Carrier Imposed Surcharges fast eins zu eins durch, anders als Programme, die YQ pauschal abfedern. Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines liegen deshalb in meiner Airline-Heatmap ganz oben: Ein einzelnes Transatlantik-Segment mit Lufthansa schlägt oft mit 300 bis 450 Euro allein an Zuschlägen zu Buche. United Airlines und Air Canada dagegen berechnen auf den meisten Nordamerika-Strecken gar keine YQ und bleiben damit die verlässlichsten Bausteine für ein günstiges RTW-Ticket.
Konstanze Felder, eine Bekanntschaft aus meinen BWL-Seminaren, die heute im Frankfurter Asset Management arbeitet, rechnet aus Prinzip jeden Prämienflug in einen internen Renditewert um, bevor sie ihn bucht. Auf genau dieses Zuschlagsgefälle angewendet, kommt sie regelmäßig zu dem Schluss, dass ein Umweg über einen Low-YQ-Partner den vermeintlichen Zeitverlust locker aufwiegt. Für die genaue Cent-pro-Meile-Rechnung reicht an dieser Stelle die Faustregel: Die Airline-Wahl entscheidet über Hunderte Euro, nicht die Streckenlänge.
Eine Kalkulation von Ende April 2026 macht die Spreizung konkret: Route FRA-EWR mit Lufthansa kostete 410 Euro an Zuschlägen, dieselbe Strecke über Istanbul mit Turkish Airlines lag bei etwa 180 Euro. Ein zusätzlicher Umweg über LHR mit United hätte die Zuschläge sogar unter 100 Euro gedrückt. Wer bereit ist, Low-YQ-Hubs wie Lissabon (TAP) oder Addis Abeba (Ethiopian) einzubauen, senkt die Kosten weiter – vorausgesetzt, das Zeitbudget lässt den Umweg zu.
Zeit gegen Zuschläge abwägen
Opportunitätskosten gehören in jede RTW-Kalkulation, nicht nur der Eurobetrag der Zuschläge. Eine Ersparnis von 200 Euro ist wertlos, wenn sie drei zusätzliche Umstiege und 15 Stunden zusätzliche Reisezeit kostet. In meiner Portfolio-Analyse 2026: Miles & More, ANA und KrisFlyer im harten Zahlenvergleich ist die Streckeneffizienz Teil der Portfolio-Diversifikation über mehrere Meilenprogramme hinweg – ein Aspekt, der beim reinen Zuschlagsvergleich gerne untergeht.
Auch Elodie, eine Leserin aus Zürich, stellte mir kürzlich eine ähnliche Rechnung für ihre Avios-Buchungen über die Iberia-Plus-Partnerschaft vor: Das Prinzip ist identisch, nur das Programm und die Sweet-Spot-Logik dahinter wechseln. Wer seine Meilen über mehrere Allianzen und Transferpartner streut, statt alles in ein Programm zu stecken, hat bei genau dieser Abwägung schlicht mehr Ausweichrouten zur Auswahl.
Was in der Praxis nicht funktioniert hat
Nicht jede Rechnung geht auf. Mehrfach habe ich bei Kurzstrecken innerhalb eines RTW-Tickets versucht, ein Economy-Segment per Meilen-Gebot auf Business hochzustufen, um die Zuschläge auf dem entsprechenden Abschnitt zu drücken – und den Zuschlag nie bekommen, weil die verfügbaren Business-Plätze an andere Gebote oder an Statuskunden gingen. Das Ergebnis war jedes Mal dasselbe: Das Segment blieb Economy, die eingesetzte Meilenzahl für das Gebot war verloren, und die vermeintliche Ersparnis existierte nur auf dem Papier.
Der Status-ROI, den man aus Vielfliegerprogrammen wie Miles & More Senator zieht, spielt bei diesen Bietverfahren übrigens kaum eine Rolle – ANA priorisiert eigene Mitglieder, nicht Partnerstatus. Genau deshalb lohnt es sich, den Aufpreis für ein fest gebuchtes Business-Segment im Kopf zu behalten, statt auf ein Bieter-Upgrade zu spekulieren.

Die Faustregel für die nächste RTW-Kalkulation
Bevor die Meilenzahl überhaupt eine Rolle spielt, gehört die YQ-Tabelle der eingebundenen Airlines auf den Tisch. Wer bei der Streckenplanung United, Air Canada und Avianca priorisiert und Lufthansa, Swiss sowie Austrian nur dort einsetzt, wo es keine Alternative gibt, hält die Zuzahlung im niedrigen dreistelligen Bereich. Wer hingegen den günstigsten Star Alliance Gold Status mit einer RTW-Buchung verknüpfen will, sollte vorher klären, ob die geflogenen Meilen überhaupt auf ein Statuskonto gutgeschrieben werden – bei den meisten Prämienflügen ist das ausgeschlossen.

Am Ende bleibt die Rechnung nüchtern: 125.000 Meilen plus rund 900 Euro Zuzahlung stehen einem Kassenwert von über 12.000 Euro gegenüber, wenn die Airline-Auswahl stimmt. Dieselbe Meilenzahl kann mit der falschen Auswahl an Partnerairlines locker das Doppelte an Zuschlägen kosten. Die Meilen sind bei ANA fix – der Unterschied zwischen einer soliden und einer schlechten RTW-Buchung entsteht komplett bei den Zuschlägen, und genau dort lohnt sich die Tabellenarbeit.