Was sind Meilen wert? Systematische Bewertung für das eigene Portfolio

Meilen-Bewertung und Portfolio-Management: Tracking-Tabelle für eine systematische Vielflieger-Strategie

Der Kaffee neben der Tastatur ist längst kalt, ich stecke in der vierten Stunde meines quartalsweisen Transfervergleichs zwischen Amex-Punkten, KrisFlyer und Miles & More. Eine alte Zeile aus dem Tracking springt mir ins Auge, datiert auf November: 105.000 KrisFlyer Meilen plus rund 320 Euro Steuern für ein Business-Class-Ticket FRA-SIN, das im Direktkauf 3.850 Euro gekostet hätte – macht 3,36 Cent pro Meile. Solche Zeilen sind der Grund, warum bei mir keine Meile mehr ungeprüft bleibt, sondern jede Position in einer systematischen Meilen-Bewertung wie in einem Wertpapier-Portfolio behandelt wird.

Transparenzhinweis vorab, weil er in diese Bewertungslogik gehört: Manche Links in diesem Text sind Affiliate-Links, unter anderem zu Luxury Travel Hacking, einem Framework, das ich seit einiger Zeit parallel zu meiner eigenen Tabelle nutze. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine Provision, ohne dass für dich ein höherer Preis entsteht. Verlinkt sind hier nur Strategien und Tools, die ich mit eigenem Kapital und meinen eigenen Konten geprüft habe.

Vielflieger-Strategie als Portfolio, nicht als Sammlung

Wer nur sammelt und hofft, betreibt keine Vielflieger-Strategie, sondern führt ein Sparschwein ohne Zinsen. Seit acht Jahren pflege ich für jedes aktive Programm eine eigene Bewertungslogik, ähnlich wie bei einem ETF-Depot: Positionen, die schlecht performen, werden abgebaut, unterbewertete Programme bekommen mehr Zufluss. Miles & More, ANA Mileage Club, KrisFlyer und Avios laufen bei mir parallel, nicht nacheinander – genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen Meilen-Bewertung als Zahlenspiel und Meilen-Sammeln als Hobby.

Ein Kollege aus meinem Netzwerk geht an freien Nachmittagen lieber Stand-Up-Paddeln auf dem Main, statt sich mit Transferzeiten zwischen Amex und den Vielfliegerprogrammen zu beschäftigen, und das ist völlig in Ordnung – nur verfallen bei ihm inzwischen Punkte, von denen er selbst nicht mehr weiß, wie viele es sind. Genau diese Passivität ist der teuerste Fehler im System, teurer als jede einzelne Fehlbuchung.

Nahaufnahme einer Kalkulationstabelle zur Meilen-Bewertung mit Cent-pro-Meile-Werten mehrerer Vielflieger-Programme im Portfolio-Vergleich

Meilen-Bewertung: Was eine Meile in meinem System wert ist

Den Cent-pro-Meile-Wert einer Buchung rechne ich über die Opportunitätskosten aus, ein Konzept, das ich in einem eigenen Artikel ausführlich durchgerechnet habe; hier reicht die Kurzfassung, dass der real gezahlte Vergleichspreis zählt und nicht der Listenpreis der teuersten verfügbaren Kabine. Drei Zeilen aus meinem aktuellen Tracking für 2026 zeigen, wie unterschiedlich das ausfällt:

Programm Route / Klasse Meilen Zuzahlung Vergleichspreis CPM Wert
Miles & More FRA-SFO Business 112.000 620 € 4.200 € 3,19 Cent
Avios (BA) LHR-JFK Business 160.000* 850 € 3.500 € 1,65 Cent
ANA TYO-FRA First 165.000 580 € 6.500 €** 3,58 Cent

*Peak-Pricing berücksichtigt. **Konservativer Vergleichswert statt Listenpreis.

Unter 1,5 Cent pro Meile wird bei mir grundsätzlich nicht gebucht, Economy-Prämienflüge fallen fast immer durch dieses Raster, weil der Wert dort oft unter 0,5 Cent sinkt. Wie ich diese Untergrenze zu einem vollständigen Meilen Portfolio Management für Berater ausgebaut habe, beschreibe ich an anderer Stelle im Detail – hier bleibt die Kennzahl ein reiner Filter.

Die Checkliste für die jährliche Bestandsaufnahme

Zur jährlichen Bestandsaufnahme gehören feste Fragen, keine Bauchgefühle. Lohnt der Transfer von Amex-Punkten gerade zu KrisFlyer oder zu Avios mehr? Diese Transferpartner-Strategie kann sich innerhalb weniger Wochen drehen, deshalb prüfe ich Kurse, statt mich auf einen Anbieter festzulegen. Wie viele Meilen kommen überhaupt ohne einen einzigen Flug herein, etwa über Shopping-Portale und laufende Kreditkartenumsätze – dieses erdgebundene Sammeln trägt in manchen Jahren mehr zum Bestand bei als alle Flüge zusammen. Und lohnt sich ein Familienkonto, über das sich Guthaben mehrerer Personen bündeln lässt, das sogenannte Meilen-Pooling, wenn ein einzelnes Konto sonst nie die Schwelle für eine Prämienbuchung erreicht?

Weitere Punkte auf der Liste: Welche Verfügbarkeits-Tools zuverlässig echte Sitzplätze zeigen und welche nur Wunschdenken, denn zwischen Website-Anzeige und tatsächlich buchbarem Platz liegt bei fast jedem Programm eine Lücke. Zwischen zwei Terminen in Berlin Mitte, Friedrichstraße, reicht mir dafür oft schon ein Blick aufs Handy. Ob sich unterwegs ein Stopover einbauen lässt, ohne zusätzliche Meilen zu kosten – bei manchen Programmen ein stiller Bonus, bei anderen reines Marketingversprechen. Wie hoch Steuern und Carrier-Zuschläge auf der jeweiligen Route ausfallen, denn ein niedriger Meilenpreis mit hohen Zuschlägen frisst den ganzen CPM-Vorteil wieder auf. Und ob ein gezielter Meilenkauf während einer Bonusaktion günstiger kommt als das mühsame Ansparen über Kreditkartenumsätze – reine Arbitrage-Rechnung, kein Bauchgefühl.

Der teuerste Punkt auf dieser Liste war für mich lange unsichtbar: Jahrelang habe ich Hotel-Loyalitätsprogramme priorisiert und meine Kreditkartenpunkte parallel vernachlässigt, ohne den Break-even der Jahresgebühr je sauber gegen den Meilenertrag zu rechnen – ein Fehler, der sich über die Jahre spürbar aufsummiert hat. Genauso gehört auf die Liste, ob ein Programm gerade auf dynamische statt feste Meilenpreise umgestellt hat, weil das eine bisher zuverlässige Sweet-Spot-Buchung über Nacht entwerten kann, und ob sich eine Partner-Einlösung über ein anderes Bündnis lohnt, wenn das eigene Stammprogramm gerade schlecht bepreist ist. Ein Beispiel für stabilen Gegenwert bleibt der Lufthansa Companion Award, der für Inhaber des Senator-Status – aktuell wieder ab 100.000 Punkten erreichbar – den Meileneinsatz der Begleitperson halbiert und den CPM einer Buchung sofort anhebt. Status zahlt sich dabei nicht nur über die eigene Airline aus: Am Lounge-Zugang in Zürich reicht der Mitarbeiterin ein Blick auf meine ANA-Karte, sie nickt, und ich bin drin, obwohl in der Buchung kein einziges Lufthansa-Ticket steckt. Solche Momente sind der eigentliche Status-ROI, den ich in keiner Tabelle sauber in Cent umrechnen kann, aber trotzdem in die Portfolio-Bewertung einpreise.

Wenn eine Strategie nicht mehr funktioniert

Nicht jede Zeile in meinem System bleibt stabil. Vor Kurzem wollte ich eine flexible One-Way-Verbindung von Tokio nach Frankfurt über den ANA Mileage Club buchen, und die Regel dahinter ist unverändert hart: Internationale Partner-Awards lassen sich bei ANA nur als kompletter Hin- und Rückflug buchen, eine einzelne Teilstrecke bleibt blockiert. Wer sich für ein Round-the-World-Ticket über mehrere Allianzen interessiert, rechnet ohnehin mit einem eigenen, deutlich komplexeren Regelwerk, das ich an anderer Stelle im Detail durchgehe. Auch die Kurzstrecken-Optimierung bei Avios hat Federn gelassen: Was früher für 4.500 Meilen innerhalb der Zone 1 bis 650 Meilen Distanz ein sicherer Wert war, bringt nach mehreren Anpassungen oft so wenig Grenznutzen, dass ich lieber bar zahle und die Meilen für Langstrecken-Upgrades zurückhalte.

Luxury Travel Hacking und der nächste Schritt

Sobald mehrere Programme, Kreditkarten und Partnerbündnisse gleichzeitig laufen, stößt ein einzelnes Excel-Sheet irgendwann an seine Grenze, besonders bei Multi-Carrier-Routings mit mehreren Umstiegen. An dieser Stelle habe ich das Luxury Travel Hacking Framework in meinen Prozess eingebaut, nicht um mehr zu sammeln, sondern um die Burn-Seite – also Zeitpunkt und Route der Einlösung – systematischer zu treffen. Nach eigener Prüfung überzeugt mich dort vor allem die sehr gute Vendor-Bewertung mit über 150 Bewertungen und der Ansatz, bis zu 80 Prozent Ersparnis über Meilen- und Punkte-Strategien plus Hotel-Status herauszuholen, auch wenn der volle Nutzen erst bei regelmäßigem Vielfliegen entsteht.

Wie stark sich eine Diversifikation über mehrere Programme tatsächlich auszahlt, statt alles auf ein einziges Vielfliegerkonto zu setzen, rechne ich separat in meiner Portfolio-Analyse 2026 durch.

Als konkrete Faustregel bleibt bei mir: Jede Position im Portfolio muss einmal im Jahr ihre 1,5-Cent-Untergrenze belegen, sonst wird sie abgebaut oder umgeschichtet, genau wie eine schlecht performende Position in einem Depot. Wer bei null anfängt, muss dafür keine eigene Datenbank bauen; als Einstieg in die Grundlagen der Währungsbewertung reicht der Meilen Master, bevor die komplexeren Portfolio-Fragen überhaupt relevant werden.