
27 Prozent weniger Effizienz auf der Langstrecke FRA-JFK, aber 18 Prozent mehr Rendite bei einem einfachen Upgrade zwischen Amsterdam und New York, dieselbe Kalkulationstabelle, derselbe Monat, zwei fast gegensätzliche Zahlen. Seit SAS EuroBonus im September 2024 von der Star Alliance zu SkyTeam gewechselt ist, beschäftigt mich genau dieser Widerspruch: Ein und dasselbe Programm liefert je nach Route ein völlig anderes Bild in der Cent-pro-Meile-Rechnung. Für mein Meilen-Portfolio und meinen Vielflieger-Status bedeutet das: Ein pauschales Urteil über die SkyTeam-Strategie von SAS ist wertlos, jede EuroBonus-Analyse muss nach Streckentyp getrennt geführt werden.
Der SkyTeam-Wechsel verschiebt die EuroBonus-Analyse je nach Route unterschiedlich stark
Am 1. September 2024 vollzog SAS den Wechsel von der Star Alliance zu SkyTeam, und mit ihm kamen 19 neue Partnergesellschaften ins Programm, darunter Delta, Air France und KLM. Wer nur auf die reinen Meilenpreise schaut, sieht zunächst eine Verteuerung: Ein Hin- und Rückflug FRA-JFK in der Business Class kostet über die neuen Partner mehr Punkte als früher über Lufthansa. Genau deshalb lohnt sich eine Route-für-Route-Gegenrechnung, bevor man EuroBonus pauschal ab- oder aufwertet.
| Route (Business Class) | Programm (alt / Star) | Programm (neu / Sky) | Delta CPM |
|---|---|---|---|
| FRA-JFK (Return) | 110.000 (Lufthansa) | 140.000 (KLM/Delta) | -27% Effizienz |
| FRA-CDG-MEX (Oneway) | 72.500 (United) | 78.500 (Air France) | -8% Effizienz |
| AMS-JFK (Upgrade) | N/A | 15.000 - 25.000 | +18% Rendite |
Die Tabelle zeigt die Kernverschiebung: Auf klassischen Langstrecken sinkt die reine Meileneffizienz, während kurze Aufwertungen zwischen europäischen SkyTeam-Drehkreuzen plötzlich zu den günstigsten Positionen im gesamten Portfolio gehören. Genauso wichtig wie die nackte Punktzahl ist die Verfügbarkeit dahinter: In meinen Stichproben der vergangenen sechs Monate lagen Business-Class-Sitze bei SkyTeam-Partnern spürbar häufiger offen als im chronisch überbuchten Star-Alliance-Netzwerk – ein Faktor, den keine Meilentabelle abbildet, der sich aber in der Praxis stark auf den effektiven Cent-pro-Meile-Wert auswirkt.

Das Entwertungsrisiko bei einem Allianzwechsel
Ein Allianzwechsel ist kein gewöhnliches Devaluation-Update, bei dem ein Programm über Nacht mehr Punkte für dieselbe Prämie verlangt. Das Entwertungsrisiko liegt woanders: Es entsteht dort, wo Meilen zwar nominal ihren Wert behalten, der Zugriff darauf aber schwieriger wird, weil das komplette Partnernetzwerk ausgetauscht wird. Bei SAS zeigt sich das gleich doppelt. Erstens verschwinden mit der Star Alliance sämtliche Lufthansa-Direktverbindungen ab Frankfurt aus der Prämienlogik, was für Vielflieger, die ihre Reiseplanung auf Lufthansa-Slots aufgebaut hatten, faktisch einer Entwertung ihres bisherigen Buchungsmusters gleichkommt, obwohl sich an der Punktezahl selbst nichts ändert. Zweitens verschiebt sich das Verfügbarkeitsrisiko: Wo Lufthansa-Business-Class-Sitze auf Kernrouten früher oft nur als Phantom-Verfügbarkeit auftauchten – im System sichtbar, bei der Buchung aber blockiert –, zeigt sich bei den neuen SkyTeam-Partnern ein anderes Muster, das sich erst über mehrere Buchungszyklen hinweg belastbar bewerten lässt.
Nicht jede Buchung in meinem eigenen Portfolio war so sauber kalkuliert wie die Beispiele in der Tabelle oben. Vor dem SkyTeam-Wechsel habe ich einen Suites-Sitz von Singapore Airlines komplett bar bezahlt, weil ich zu dem Zeitpunkt kein einziges Partnerprogramm auf dem Schirm hatte, über das sich diese Kabine hätte einlösen lassen – ein Fehler, der mir mit dem heutigen, breiter aufgestellten Portfolio nicht mehr passieren würde. Solche Lücken sind der Grund, warum ich seit dem Verlust meines Senator-Status 2017 jedes Programm einzeln bewerte, statt blind einer Allianz zu vertrauen.
Alt gegen Neu: EuroBonus über Star Alliance und über SkyTeam
Unter der alten Star-Alliance-Zugehörigkeit überschnitt sich EuroBonus für ein deutsches Portfolio stark mit Miles & More, vergleichbar mit einer Doppelposition in zwei fast identischen ETFs; unter SkyTeam wird daraus durch Air France, KLM und Delta eine echte Portfolio-Diversifikation, weil sich das Streckennetz kaum noch überschneidet. Bertram Sievers, ein Studienfreund, der inzwischen in München sitzt, fordert mich bei solchen Umbrüchen regelmäßig zu einer sauberen Cent-pro-Meile-Gegenrechnung heraus, alt gegen neu, ohne Bauchgefühl – seine letzte Nachricht dazu bestand nur aus der Frage, ob ich die AMS-JFK-Aufwertung schon eingebucht hätte.
Wer diese Neuausrichtung systematisch verfolgen will, findet die Grundmechanik in meinem Meilen Portfolio Management für Berater nach dem Vorbild von Investments beschrieben. Für EuroBonus zählt vor allem die Kombination aus dem Amex-Transferverhältnis von 2:1 und der fünfjährigen Gültigkeit der Punkte, deren lange Laufzeit den im Vergleich zu manchem 5:4-Transfer bei Oneworld schwächeren Kurs abfedert – ähnlich wie ein Tagesgeldkonto mit langer Zinsbindung Kursschwankungen an anderer Stelle auffängt. Neulich deckte sich die Zahl auf meiner Amex-Abrechnung, 4.340 Umsatzpunkte, exakt mit der Summe einer Beratungsrechnung, die ich Wochen zuvor gestellt hatte – ein kleiner Moment, der zeigt, wie eng die Meilenseite inzwischen an das reguläre Geschäft gekoppelt ist.
Unterschiedliche Gewinner: Gelegenheitsflieger und Vielflieger
Die Entscheidung für die AMS-JFK-Aufwertung treffe ich schließlich auf dem Marktplatz der Heidelberger Altstadt, zwischen zwei Beratungsterminen, mit dem Handy in der Hand statt am Bildschirm. Zuhause rattert später kurz der Drucker, und die Bestätigung für die FRA-SFO-Verbindung schiebt sich mit einem kleinen Ruck heraus – ein Nebendetail, das nichts mit der Kalkulation zu tun hat, aber zeigt, wie oft an einem gewöhnlichen Nachmittag überhaupt gebucht wird.
Für Gelegenheitsflieger, die selten mehr als 50.000 Punkte auf dem Konto haben, hat sich die Rechnung klar verbessert: Aufwertungen auf kurzen Europastrecken liegen jetzt oft über 2,5 Cent pro Meile, während frühere Einlösehürden unterhalb dieser Schwelle kaum sinnvolle Optionen boten. Für Vielflieger mit Fokus auf Langstrecken-Business-Class sieht die Bilanz gemischter aus: Die reine Punktzahl für FRA-JFK ist gestiegen, und wer stark auf die Prämienplatzverfügbarkeit einzelner Kernrouten angewiesen ist, muss diesen Faktor separat gegen die höheren Punktkosten aufrechnen. Auch der SkyTeam Elite Plus Status, erreichbar über EuroBonus Gold, verändert die Status-ROI-Rechnung spürbar, weil der Lounge-Zugang jetzt über ein anderes Partnernetzwerk läuft als zuvor über Star Alliance Gold.
Auch Gideon Forster, IT-Berater aus Hamburg und über ein früheres Community-Treffen bekannt, hat sich kürzlich gefragt, ob sein stark auf Asien ausgerichtetes Portfolio von EuroBonus überhaupt profitiert. Bei ihm dominiert eindeutig die Langstrecke, bei mir inzwischen die kurze Europa-Verbindung – zwei Portfolios, zwei völlig unterschiedliche Antworten auf dieselbe Programmumstellung. Im Vergleich zu anderen Optionen, die ich in meinem SkyTeam Meilenprogramme für deutsche Vielflieger im systematischen Vergleich gegenübergestellt habe, bleibt SAS bei den Umbuchungsbedingungen die planbarste Variante, und die AMS-JFK-Aufwertung zählt inzwischen zu den verlässlichsten Sweet-Spot-Buchungen im gesamten Portfolio.
EuroBonus richtig gewichten: Wann sich das Programm im Portfolio lohnt
Wer überwiegend kurze Europastrecken fliegt und ohnehin Amex-Punkte sammelt, für den lohnt sich EuroBonus nach dem SkyTeam-Wechsel spürbar mehr als vorher, weil die Aufwertungen jetzt zu den effizientesten Positionen im gesamten Portfolio gehören. Wer dagegen ausschließlich auf Langstrecken-Business-Class-Sitze wie FRA-JFK aus ist, fährt mit einem Portfolio, das stärker auf Miles & More oder direkt auf Delta SkyMiles setzt, meist besser, weil die reine Punktzahl dort günstiger bleibt und sich die Verfügbarkeit unabhängiger prüfen lässt. Ich behandle EuroBonus deshalb nicht mehr als Ersatz für mein bisheriges Programm, sondern als eigene Position mit eigenem Chancen- und Risikoprofil, die nur so viel Raum im Portfolio bekommt, wie ihre eigene Cent-pro-Meile-Bilanz rechtfertigt. Am Ende zählt für mich nicht die Allianzfarbe auf der Karte, sondern die Zahl, die am Monatsende in der Kalkulationstabelle steht.