
Mitte März, FRA-SFO in der Business Class, gebucht für 112.000 Meilen plus 648 Euro Steuern und Gebühren. Der reguläre Cash-Preis für dieses Ticket lag zum Buchungszeitpunkt bei 3.850 Euro. Auf den ersten Blick eine klassische Arbitrage-Situation mit einem Gegenwert von 2,85 Cent pro Meile. Doch wer mein Meilen-Portfolio-Management der letzten acht Jahre verfolgt, weiß, dass die nackte Differenzrechnung ohne Berücksichtigung der Anschaffungskosten der Meilen eine Milchmädchenrechnung ist.
Seit ich 2017 meinen Senator-Status zum ersten Mal verlor, habe ich aufgehört, Meilen als Abfallprodukt meiner Dienstreisen zu betrachten. Ich manage sie wie ein Investment-Portfolio. Das leise, rhythmische Klicken der mechanischen Tastatur, während die SVERWEIS-Funktion in Excel die Meilenwerte verschiedener Allianzen abgleicht, ist für mich die notwendige Erdung vor jeder Transaktion. Wenn ich heute über den Zukauf von Meilen nachdenke, dann nicht aus einer Urlaubslaune heraus, sondern weil die Datenlage einen klaren Vorteil signalisiert – oder eben nicht.
Das Bundle&Go System: Meilenkauf als strategisches Investment?
Lange Zeit war der direkte Kauf von Miles & More Meilen schlichtweg nicht möglich. Man musste den Umweg über Zeitungsabonnements oder Payback-Punkte gehen. Mit der Einführung von Bundle&Go hat die Lufthansa Group ein Produkt geschaffen, das den direkten Erwerb von bis zu 250.000 Meilen pro Kalenderjahr ermöglicht. Für einen BWLer ist das zunächst eine interessante Liquiditätsspritze für das Meilenkonto, doch der Preis pro Einheit ist entscheidend.
In meiner Analyse von Mitte Dezember untersuchte ich das 'Large'-Bundle. Bei einem Preis von 1.750 Euro für 100.000 Meilen landen wir bei einem Einkaufspreis von 1,75 Cent pro Meile. Hier beginnt die erste Abwägung. In meinem System gilt: Eine Meile, die für mehr als 1,5 Cent eingekauft wird, muss einen sehr spezifischen Verwendungszweck haben, um rentabel zu sein. Die kühle Zufriedenheit, wenn der berechnete Wert pro Meile unter die kritische Schwelle von 1,2 Cent sinkt, stellt sich bei Bundle&Go ohne zusätzliche Bonus-Aktionen fast nie ein.

Wer sein Portfolio systematisch aufbaut, stellt fest, dass der Zukauf oft nur die Lücke schließt. Wenn mir für einen Familienurlaub in der Business Class nach Singapur noch 40.000 Meilen fehlen, ist der Grenznutzen des Kaufs hoch. Wenn ich jedoch versuche, ein komplettes Langstreckenticket rein aus gekauften Meilen zu finanzieren, kollidiert die Strategie oft mit der harten Realität der Treibstoffzuschläge.
Die Mathematik der Business Class: Eine tabellarische Gegenüberstellung
Betrachten wir die Route Frankfurt (FRA) nach San Francisco (SFO). Ich habe diese Strecke im Auge behalten, da sie oft mit der Boeing 747-8 oder dem A380 bedient wird. Für meine Kalkulation nutze ich die Standardwerte des Miles & More Programms.
| Posten | Meilenschnäppchen (RT) | Regulärer Award (RT) | Cash-Ticket (Sale) |
|---|---|---|---|
| Meilenkosten | 55.000 | 112.000 | 0 |
| Zukaufkosten (1,75c/Meile) | 962,50 € | 1.960,00 € | 0 |
| Steuern & Gebühren | ca. 650,00 € | ca. 650,00 € | 0 |
| Gesamtkosten effektiv | 1.612,50 € | 2.610,00 € | 2.100,00 € |
Die Tabelle zeigt das Kernproblem meiner 'Priority Meilen Masterclass' Analyse: Der Kauf von Miles and More Meilen für Business-Flüge ist oft ein Verlustgeschäft, da die hohen Steuern und Gebühren bei Lufthansa den Preisvorteil gegenüber Direktbuchungen fast vollständig neutralisieren. Bei einem regulären Award für 112.000 Meilen zahle ich effektiv 2.610 Euro, wenn ich die Meilen über Bundle&Go erworben habe. Ein Cash-Ticket im Sale ist oft für 2.100 Euro zu haben – und bringt zusätzlich noch Statusmeilen (Points) ein.
Ein verregneter Abend im April bestätigte diese These erneut, als ich versuchte, eine Buchung auf Thai Airways via Miles & More zu tätigen. Die Verfügbarkeiten waren blockiert, und die alternative Verbindung über Lufthansa hätte die oben genannten Phantasiegebühren aufgerufen. Es ist diese Art von Ineffizienz, die ein Meilen-Portfolio ohne Diversifikation gefährlich macht.
Der Arbitrage-Effekt: Wann sich der Kauf dennoch lohnt
Es gibt jedoch Szenarien, in denen die Logik kippt. Das ist der Moment, in dem ich als Berater von Arbitrage spreche. Dies geschieht meist kurz vor der Hauptreisesaison oder bei kurzfristigen Buchungen. Wenn das Cash-Ticket für die Business Class nach New York oder San Francisco plötzlich 4.500 Euro kostet, weil die Buchungsklassen P, Z und D ausverkauft sind, bleibt der Meilenpreis stabil – sofern Verfügbarkeit in der Klasse I (Business Award) besteht.
Anfang März konnte ich genau diesen Effekt beobachten. Während die Cash-Preise aufgrund der Osterferien entkoppelt von den Meilenwerten stiegen, erlaubte ein Meilen-Investment den Flug für einen Bruchteil des Preises. In solchen Momenten ist die Liquidität durch gekaufte Meilen Gold wert. Man muss jedoch die Disziplin besitzen, diese Meilen nicht für 'normale' Flüge zu verbrennen, bei denen der Gegenwert unter 1,5 Cent pro Meile liegt.
Ein wichtiger Faktor in meiner 8-Jahres-Übersicht ist die Berücksichtigung der Opportunitätskosten. Wer Meilen kauft, bindet Kapital in einer Währung, die jederzeit devaluiert werden kann. Miles & More hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie die Award-Charts ohne große Vorankündigung anpassen können. Daher ist mein Rat: Kaufen Sie Meilen nur, wenn eine konkrete Einlösung innerhalb der nächsten sechs Monate geplant ist.

Status vs. Prämienmeilen: Eine notwendige Unterscheidung
Ein häufiger Fehler bei Einsteigern ist die Verwechslung von Prämienmeilen und Statuspunkten. Zugekaufte Meilen über Bundle&Go zählen nicht als Statusmeilen oder Points. Sie bringen Sie der Senator Status Schwelle von 1000 Points kein Stück näher. Für mich als jemanden, der den harten Fall von 2017 erlebt hat, ist klar: Meilenkauf dient dem Reisekomfort, nicht dem Statuserhalt.
Ich erinnere mich an eine Buchung für meinen Partner und mich, bei der ich versuchte, Avios Sweet Spots mit Miles & More zu kombinieren. Während ich bei British Airways für Kurzstrecken oft Werte von über 3 Cent pro Meile realisiere, kämpfe ich bei Miles & More oft darum, die 1,5-Cent-Marke nach Abzug der Gebühren zu knacken. Wer systematisch vorgeht, sollte daher immer prüfen, ob das Ziel nicht auch mit Amex Punkten und deren Transferpartnern günstiger zu erreichen ist.
In der Gesamtschau meiner Buchungshistorie der letzten acht Jahre zeigt sich: Die erfolgreichsten Einlösungen waren fast immer 55.000 Meilen für Business Class Meilenschnäppchen nach Nordamerika. Hier sinkt der effektive Preis inklusive Meilenkauf und Gebühren oft auf unter 1.600 Euro. Alles darüber hinaus erfordert eine sehr genaue Einzelfallprüfung. In meinem Artikel Miles & More Meilenschnäppchen im Check: Wann sich die Buchung wirklich lohnt gehe ich tiefer auf diese spezifische Mechanik ein.
Fazit: Kalkuliertes Risiko statt emotionales Hacking
Meilen zu kaufen ist kein 'Hack', es ist eine Form der Reisefinanzierung. Wer die 250.000 Meilen Kauflimit pro Kalenderjahr voll ausschöpft, investiert über 4.000 Euro. Das macht nur Sinn, wenn man die hohen Steuern und Gebühren der Lufthansa-Gruppe durch geschickte Routenwahl oder die Nutzung von Meilenschnäppchen kontert. Für mich ist das Portfolio-Management heute eine trockene, aber höchst rentable Routine geworden.
Wenn Sie vor der Entscheidung stehen, Ihr Konto aufzufüllen, stellen Sie sich die Frage: Würden Sie dieses Ticket auch kaufen, wenn es 20% teurer wäre? Falls nein, ist der Meilenkauf wahrscheinlich nur eine emotionale Rechtfertigung für einen Luxus, den die Daten nicht stützen. In meiner Analyse zum Thema Miles & More Senator Status vs. Meilen-Portfolio: Was bringt den höheren ROI? zeige ich auf, warum die reine Meilenstrategie oft die klügere Wahl gegenüber der Statusjagd ist, sofern man die Mathematik dahinter beherrscht. Am Ende des Tages zählen nur die Zahlen in der Excel-Tabelle und das Gefühl, wenn sich die Suite 2A auf dem Weg nach San Francisco in ein Bett verwandelt – wissend, dass der Cent-pro-Meile-Wert stimmt.