Miles and More Meilen kaufen: Kosten Nutzen Analyse für Business Class Flüge

Miles and More Meilen kaufen: Kosten-Nutzen-Analyse für Business-Class-Award-Flüge im Travel-Hacking Deutschland

2,85 Cent pro Meile: so viel war die letzte Business-Class-Buchung bei Miles & More effektiv wert, sobald man den Einkaufspreis der Meilen selbst mit einrechnet. Diese Zahl ist der eigentliche Ausgangspunkt jeder Kosten-Nutzen-Analyse rund um den Meilenkauf, nicht die simple Differenz zwischen Cash-Preis und Meilenpreis, die in den meisten Travel-Hacking-Foren in Deutschland kursiert.

Seit meinem ersten Verlust des Senator-Status behandle ich Meilen nicht mehr als Nebenprodukt meiner Dienstreisen, sondern wie eine eigene Anlageklasse – vergleichbar mit der Entscheidung zwischen einem ETF-Sparplan und einem festverzinsten Tagesgeldkonto: Das Kapital muss arbeiten, sonst liegt es nur ungenutzt herum. Das kurze Klacken der mechanischen Tasten, wenn ich einen neuen Jahreswert in die Meilentabelle eintrage, ist inzwischen der einzige Moment, der nach Bilanzziehung aussieht.

Bundle&Go: Was der Meilenkauf bei Miles & More wirklich kostet

Lange Zeit war der direkte Kauf von Miles & More Meilen praktisch ausgeschlossen, man musste den Umweg über Zeitschriftenabos oder Payback-Punkte nehmen. Mit Bundle&Go hat die Lufthansa Group ein Produkt geschaffen, das den Zukauf von bis zu 250.000 Meilen pro Kalenderjahr erlaubt, eine willkommene Liquiditätsspritze fürs Meilenkonto, deren Wert allein am Einkaufspreis pro Einheit hängt.

In meiner Kalkulation zum 'Large'-Bundle liegt der Preis bei 1.750 Euro für 100.000 Meilen, also 1,75 Cent pro Meile. Genau hier beginnt die eigentliche Abwägung: In meinem System darf eine Meile, die für mehr als 1,5 Cent eingekauft wird, nur für einen sehr konkreten Verwendungszweck bestimmt sein, sonst rentiert sie sich nicht. Ohne begleitende Bonus-Aktion rutscht Bundle&Go so gut wie nie unter die kritische 1,2-Cent-Marke.

Nahaufnahme einer mechanischen Tastatur neben einer Excel-Tabelle mit Cent-pro-Meile-Kalkulationen zum Miles and More Meilenkauf.

Wer sein Portfolio systematisch führt, merkt schnell: Der Zukauf schließt meistens nur eine Lücke. Fehlen mir für eine Business-Class-Buchung nach Singapur noch 40.000 Meilen, ist der Grenznutzen des Kaufs hoch. Versuche ich dagegen, ein komplettes Langstreckenticket ausschließlich aus zugekauften Meilen zu finanzieren, kollidiert die Rechnung fast immer mit den Treibstoffzuschlägen der Lufthansa Group.

Lohnt sich der Business Class Award nach San Francisco?

Betrachten wir die Strecke Frankfurt (FRA) nach San Francisco (SFO), die meistens mit der Boeing 747-8 oder dem A380 geflogen wird. Für die folgende Gegenüberstellung nutze ich die Standardwerte des Miles & More Programms.

Posten Meilenschnäppchen (RT) Regulärer Award (RT) Cash-Ticket (Sale)
Meilenkosten 55.000 112.000 0
Zukaufkosten (1,75c/Meile) 962,50 € 1.960,00 € 0
Steuern & Gebühren ca. 650,00 € ca. 650,00 € 0
Gesamtkosten effektiv 1.612,50 € 2.610,00 € 2.100,00 €

Die Tabelle zeigt das eigentliche Problem: Bei einem regulären Award für 112.000 Meilen zahle ich effektiv 2.610 Euro, sobald die Zukaufkosten über Bundle&Go mit eingerechnet werden. Ein Cash-Ticket im Sale kostet oft nur 2.100 Euro und bringt zusätzlich noch Statuspunkte. Der Meilenkauf für einen regulären Award ist damit in den meisten Fällen ein Verlustgeschäft, während das Meilenschnäppchen für 55.000 Meilen mit effektiv 1.612,50 Euro klar vorne liegt.

Nicht jede Verfügbarkeit bleibt dabei stabil: Bei mehreren Star-Alliance-Partnern wie Thai Airways sind die Award-Kontingente über Miles & More in den letzten Jahren spürbar enger geworden, was die reine Tabellenrechnung in der Praxis oft aushebelt. Mein eigener teuerster Fehler lag allerdings nicht im Zukauf, sondern in der Verwaltung des Bestands: Ich hatte die Verfallsfristen einzelner Kontobewegungen übersehen und dadurch 28.000 Miles & More Punkte ersatzlos verfallen lassen – ein Fehler, der seitdem einen festen Kalendereintrag in meiner Meilentabelle hat.

Wann Arbitrage den Meilenkauf doch profitabel macht

Es gibt jedoch Szenarien, in denen sich die Logik umkehrt. Das ist der Moment, in dem ich als Berater von Arbitrage spreche: kurz vor der Hauptreisesaison oder bei kurzfristigen Buchungen schießen die Cash-Preise oft weit über die Meilenwerte hinaus, während die Verfügbarkeit in der Business-Award-Klasse I stabil bleibt.

Am 14. Februar prüfte ich testweise die Strecke FRA-JFK: Business Class Award für 60.000 Meilen plus 420 Euro Gebühren, während der Cash-Preis wegen der Halbferien auf 3.200 Euro gesprungen war. Das ergibt einen Gegenwert von 4,63 Cent pro Meile, eine Größenordnung, bei der auch zugekaufte Meilen ohne Zögern eingesetzt werden dürfen. Die Disziplin liegt darin, genau diese Meilen nicht für gewöhnliche Flüge unter 1,5 Cent zu verbrennen.

Bertram Sievers, ein Studienfreund, der inzwischen in München lebt, fordert mich bei jedem Treffen im Bahnhofsviertel nahe dem Frankfurter Westend zu einer neuen Cent-pro-Meile-Vergleichsrechnung heraus, meistens mit einem frisch entdeckten Sweet-Spot-Vorschlag im Gepäck. Für mein Portfolio bedeutet das vor allem eins: Wer nur ein Programm beobachtet, verpasst die Hälfte der Möglichkeiten, weshalb ich Miles & More inzwischen bewusst gegen ANA Mileage Club und Avios gegenchecke, statt mich auf eine einzige Kontobewegung zu verlassen.

Business-Class-Kabine mit Monitor und Sitzstruktur auf einem mit Miles and More Meilen gebuchten Business-Class-Award-Langstreckenflug.

Status und Prämienmeilen sind zwei getrennte Konten

Ein häufiger Anfängerfehler ist die Verwechslung von Prämienmeilen und Statuspunkten. Zugekaufte Meilen über Bundle&Go zählen nicht als Punkte und bringen einen der Senator-Status-Schwelle von 1000 Points keinen Schritt näher. Für mich als jemanden, der den harten Fall des Status-Verlusts selbst erlebt hat, ist die Trennung klar: Meilenkauf dient dem Reisekomfort, nicht dem Statuserhalt.

Wer systematisch vorgeht, sollte vor jedem Zukauf trotzdem prüfen, ob sich das Ziel nicht günstiger über Amex Punkte und deren Transferpartner erreichen lässt, denn eine kluge Transferpartner-Strategie kann den gleichen Business-Class-Sitz oft für einen deutlich niedrigeren Cent-Wert liefern als der direkte Meilenkauf bei Miles & More.

Gideon Forster, ein IT-Berater aus Hamburg, den ich aus der Travel-Hacking-Szene kenne, hat seine Round-the-World-Route über ANA gleich dreimal umgeplant, bevor er die endgültige Buchung abschloss – ein gutes Beispiel dafür, dass ein Round-the-World-Ticket eine völlig andere Kalkulationslogik verlangt als ein einzelner Business-Class-Award.

Meine Regel für den nächsten Meilenkauf

In Woche 6 nach der Umstellung auf eine gemeinsame Konsolidierungstabelle für alle vier Programme stand dort zum ersten Mal ein Jahresdurchschnitt von 1,63 Cent pro Meile, über der 1,5-Cent-Grenze, die ich mir selbst gesetzt hatte. Wie sich ein einzelnes Meilenschnäppchen in diese Durchschnittsrechnung einordnet, beschreibe ich ausführlicher in meinem Artikel Miles & More Meilenschnäppchen im Check.

Diese Gesamtrechnung ist auch der Grund, warum ich Statusjagd und Meilen-Portfolio inzwischen strikt getrennt bewerte; wie sich der Return on Investment beider Strategien im Vergleich schlägt, rechne ich in Miles & More Senator Status vs. Meilen-Portfolio: Was bringt den höheren ROI? im Detail vor.

Die eine Regel, die sich über alle Buchungen hinweg bestätigt, lautet schlicht: Ein Kaufpreis ist erst dann gerechtfertigt, wenn schon feststeht, für welche konkrete Buchung die Meilen in den nächsten Monaten eingesetzt werden. Alles andere ist ein teurer Vorrat ohne Zieldatum, und genau solche Vorräte sind es, die irgendwann verfallen, wie meine 28.000 Punkte gezeigt haben.