
MileagePlus-Strategie: Eine eigene Zeile im Meilen-Portfolio
Auf dem Laptop-Bildschirm liegen zwei Tabs nebeneinander: Miles & More verlangt für Frankfurt–San Francisco in der Business Class 112.000 Meilen plus 650 Euro Zuzahlung, United MileagePlus für dieselbe Lufthansa-Maschine 155.000 Meilen und 5,60 Dollar Gebühren. Ich sitze in der Senator Lounge am FRA Terminal 2, Pier G, warte auf den Anschlussflug und trage die Differenz in die Portfolio-Tabelle ein, die seit dem Verlust meines eigenen Senator-Status neben mir läuft. MileagePlus-Strategie klingt für Außenstehende nach Erbsenzählerei – für mich ist sie die logische Fortsetzung von dem, was ich mit jedem Meilenprogramm mache: Cent-pro-Meile rechnen, bevor eine Buchung bestätigt wird.
Der Unterschied in der Cash-Quote ist der eigentliche Hebel. Viele Sammler schauen nur auf die reine Meilenzahl, ich rechne stattdessen den Cent-pro-Meile-Wert nach Abzug der Cash-Komponente – und frage mich bis heute, warum ich jahrelang hohe Zuzahlungen einfach hingenommen habe, statt die Arbitrage-Spannen zwischen den Programmen konsequent auszunutzen. Meine Auswertung Ende November zeigte eine gefährliche Konzentration auf Miles & More allein; um das zu ändern, habe ich United MileagePlus gezielt als Gegengewicht zu den steigenden Carrier Imposed Surcharges der europäischen Airlines aufgebaut.
United MileagePlus gehört zu den wenigen Programmen im Star Alliance-Verbund, die auf Partnerflügen grundsätzlich keine Treibstoffzuschläge an Kunden weiterreichen – das betrifft alle 26 Mitgliedsgesellschaften. Ob die Buchung über Lufthansa, Swiss, ANA oder Thai Airways läuft, bleibt am Ende meist nur die tatsächliche staatliche Steuer und Flughafengebühr übrig. Für einen Berater, der auf Kostenkontrolle getrimmt ist, sind zuschlagsfreie Awards damit keine Kür, sondern die eigentliche Kennzahl, an der sich ein Programm messen lassen muss.
Bis 2017 hätte sich diese Rechnung gar nicht gestellt. Ich habe damals ausschließlich bei Miles & More gesammelt und darauf gewartet, dass der Senator-Status von selbst zurückkommt, statt das Portfolio aktiv über mehrere Programme zu diversifizieren – eine Strategie, die schlicht nicht funktioniert hat, weil Status Meilen nicht ersetzt, sondern nur den Zugang zu ihnen verändert. Fridolin Wächter, ein ehemaliger Projektkollege, hat mir das früh vorgehalten: Er sammelt konsequent nur für Prämieneinlösungen und hält von Statusmeilen wenig, eine Haltung, die mich damals genervt und heute weitgehend überzeugt hat.

Was kostet ein zuschlagsfreier Award wirklich?
Um die Rentabilität zu prüfen, pflege ich eine Vergleichsmatrix für die Langstrecken-Routen, die im Portfolio am häufigsten vorkommen. Die folgende Tabelle beruht auf realen Buchungsversuchen und Preisabfragen aus dem ersten Quartal 2026; für die Beschaffungskosten der Meilen rechne ich pauschal mit 1,2 Cent pro Meile, um eine vergleichbare Basis zu haben.
| Route (Business Class) | Programm | Meilen | Zuzahlung (Cash) | Effektive Kosten (Kalkulatorisch) |
|---|---|---|---|---|
| FRA-SFO (Lufthansa) | Miles & More | 112.000 | 650 € | 1.994 € |
| FRA-SFO (Lufthansa) | United MileagePlus | 155.000 | 52 € | 1.912 € |
| ZRH-NRT (Swiss) | Miles & More | 142.000 | 610 € | 2.314 € |
| ZRH-NRT (Swiss) | United MileagePlus | 175.000 | 68 € | 2.168 € |
Die Tabelle zeigt: Trotz des höheren Meilenpreises bei United liegt die kalkulatorische Gesamtbelastung meist niedriger als bei Miles & More. Das gilt besonders für Konten, die über Transferpartner wie Amex oder über Kaufaktionen gefüllt wurden – eine Transferpartner-Strategie, die ich konsequent der Direktbuchung bei Lufthansa vorziehe. Ein weiterer Vorteil fließt fest in die Bewertung ein: United-Meilen verfallen seit 2019 programmweit nicht mehr, was den zeitlichen Druck aus der Entscheidung nimmt, während bei Miles & More ohne Statuskonto dieses Risiko bestehen bleibt.
Eine wichtige Einschränkung gehört trotzdem dazu, die sogenannte Kurzstrecken-Falle. Zuschläge zu vermeiden nützt wenig, wenn der Gegenwert der Meilen auf innereuropäischen Routen einbricht: Für einen Flug von Frankfurt nach London werden bei MileagePlus 15.000 Meilen plus 30 Euro Gebühren fällig, während das Cash-Ticket bei 110 Euro liegt – macht einen CPM von mageren 0,53 Cent. In solchen Fällen kaufe ich das Cash-Ticket und spare die Meilen für Langstrecken-Business-Class-Awards auf.
Der Excursionist Perk als Kalkulationshebel
Der Excursionist Perk gehört zu den wirksamsten Regeln im MileagePlus-Regelwerk: ein kostenloses Zwischensegment innerhalb einer Multi-Stopp-Buchung, sofern es geografisch in derselben Zone liegt wie das Ziel des ersten Segments und nicht in der Zone des Reisebeginns.
Ich habe das auf einer Route durch Südostasien getestet: Frankfurt (FRA) nach Bangkok (BKK) in Business Class, anschließend Singapur (SIN) nach Ho-Chi-Minh-Stadt (SGN) ebenfalls in Business Class als Excursionist-Perk-Segment, und zurück von Bangkok nach Frankfurt. Für das zweite Segment wurden exakt 0 Meilen berechnet, lediglich rund 18 Euro an staatlichen Gebühren fielen an. Dadurch sinkt der durchschnittliche Meilenpreis pro geflogener Business-Class-Stunde spürbar – ein Star-Alliance-Sweetspot, den man in dieser Einfachheit in keinem anderen Programm im Verbund findet, sofern man die Zonenregeln von United präzise kennt.
Ein ähnliches Prinzip verfolge ich bei Turkish Airlines Miles and Smiles Sweet Spots für Business Class Flüge, wobei United den klar intuitiveren Buchungsweg hat. Während ich bei Turkish häufiger das Callcenter bemühen muss, lässt sich der Excursionist Perk bei United meist direkt über die Multi-City-Suche einbuchen.
Wenn Partner-Verfügbarkeit und dynamische Preise die Rechnung durchkreuzen
Anfang März zeigte die Suche noch eine ANA-First-Suite zwischen London und Tokio, doch die Buchung brach beim letzten Klick mit einer Fehlermeldung ab. Phantom-Verfügbarkeit nennt sich das Phänomen, bei dem das Partner-Inventar nicht korrekt mit der Buchungsmaske synchronisiert ist – ein bekanntes Problem bei der Prämienplatz-Verfügbarkeit, das rund 45 Minuten Analysezeit gekostet hat, ohne dass am Ende ein Ticket dabei herauskam.
Für eigene Flüge nutzt United dagegen ein rein dynamisches Pricing: Ein Business-Class-Flug von Newark nach Frankfurt kann an einem Dienstag 60.000 Meilen kosten und am Freitag darauf 175.000. Diese dynamischen Meilenpreise erschweren die langfristige Planung erheblich, während United für Partner-Awards wie Lufthansa oder Air Canada in der Praxis meist an stabilen Werten festhält – genau in dieser Lücke zwischen volatilen Eigen-Awards und stabilen Partner-Awards platziere ich die eigenen Buchungen.
Wer das Portfolio noch breiter aufstellen will, findet bei Alaska Airlines Mileage Plan Meilen sammeln und für Partner Airlines einlösen teils noch attraktivere Partnerraten, auch wenn der Zugang zu den Meilen in Deutschland umständlicher ist als bei United. Ein Leser, Waldemar Böck, hat mich kürzlich gefragt, ob sich dieser Mehraufwand überhaupt lohnt – er führt inzwischen vier Programmkonten parallel und trägt jede Buchung selbst in eine eigene Tabelle ein. Meine Antwort: Es lohnt sich, sobald ein einzelnes Programm bei einer bestimmten Route strukturell im Nachteil ist, so wie Miles & More es bei Langstrecken mit hohen Zuschlägen aktuell ist.
Fazit: Portfolio schlägt Status
In der fünften Woche, nachdem ich Kreditkarten-Umsätze konsequent über Amex statt direkt bei Lufthansa gebündelt hatte, poppte in der App eine Abrechnung mit 4.340 Umsatzpunkten auf – exakt die Summe, die ich vorher für eine Beratungsrechnung überschlagen hatte. Kein Geistesblitz, eher die Bestätigung, dass die Tabelle stimmt. Im Arbeitszimmer im zweiten Stock eines Altbaus in Frankfurt-Bornheim hängt seitdem ein Whiteboard mit den Programmspalten an der Wand, daneben im Regal ein eigener beschrifteter Ordner für jedes aktive Konto – United liegt zwischen Miles & More und Avios.
Der Senator-Status mag Prestige bringen, eine kluge Meilen-Allokation über mehrere Programme bringt die bessere Rendite auf das eingesetzte Kapital. Mein Bestand bei United liegt aktuell bei rund 240.000 Meilen, genug für zwei solide Business-Class-Returns, und er ersetzt Miles & More nicht, sondern ergänzt es dort, wo die Zuschläge sonst die Kalkulation sprengen würden. Die Lehre aus der Umstellung lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Nicht das Programm mit dem größten Meilenkonto gewinnt, sondern das Portfolio, das bei jeder einzelnen Buchung die Zuzahlung mitrechnet.