
Viele Vielflieger im DACH-Raum klammern sich an ihr Miles & More-Konto, obwohl die eigene Cent-pro-Meile-Tabelle seit Jahren zeigt, dass ein anderes Star-Alliance-Programm mehr Rendite abwirft. Diese Erkenntnis stelle ich jedes Mal fest, wenn ich meine Portfolios durchgehe – Miles & More, ANA Mileage Club, KrisFlyer und eben Air Canada Aeroplan. Der Mythos vom "Heimatprogramm", das für Star-Alliance-Meilen automatisch die beste Wahl sei, hält sich hartnäckig, sogar bei Kollegen, die sonst jede Kreditkartenabrechnung akribisch prüfen. Mit Travel-Hacking im Wettbewerbssinn hat das nichts zu tun, sondern mit einer stinknormalen Kosten-Nutzen-Rechnung rund um Meilenstrategie und Amex-Transfer.
Der Irrtum vom Heimatprogramm
Der Irrtum lautet: Wer über Frankfurt mit der Lufthansa-Gruppe fliegt, sammelt automatisch am besten bei Miles & More, weil es eben das naheliegende Star-Alliance-Programm ist. Diese Logik bricht zusammen, sobald man Treibstoffzuschläge, Verfügbarkeiten und die Kreditkartenseite in eine gemeinsame Rechnung packt. Star Alliance ist ein Bündnis aus vielen einzelnen Airlines mit eigenen, unabhängigen Meilenwährungen – die Frage ist nie "Welches Programm ist meins", sondern "Welches Programm liefert für die konkrete Route den höchsten Cent-pro-Meile-Wert".
Selbst mir ist dieser Fehler passiert, direkt nach dem Verlust meines Lufthansa Senator Status. Statt mein Portfolio sofort zu diversifizieren, habe ich zunächst einfach weiter bei Miles & More gesammelt und stillschweigend auf die Rückkehr des Status gehofft – die teuerste Wartehaltung, die ich mir in meiner Kontenübersicht je geleistet habe. Erst der Wechsel zu einer aktiven, programmübergreifenden Kalkulation hat gezeigt, wie viel Rendite in dieser Passivität liegen blieb.
Warum rechnet Aeroplan ohne Treibstoffzuschläge günstiger?
Aeroplan erhebt auf eigene Flüge und auf die der meisten Partner keine Treibstoffzuschläge, anders als Miles & More, wo diese Zuschläge die Nettorendite regelmäßig unter 2 Cent pro Meile drücken. Wer seine Strategie auf Werterhalt ausrichtet, muss diese Differenz einpreisen – eine Grundlage, die ich in meinem separaten Vergleich zum Meilen Portfolio Management für Berater nach dem Vorbild von Investments ausführlicher durchrechne. Es geht dabei nicht um Prestige beim Boarding, sondern um die Optimierung der Umsatzrendite der eigenen Kreditkartenausgaben.
Vergleichbar ist das mit der Wahl zwischen einem thesaurierenden ETF und einem Tagesgeldkonto mit variablem Zins: Aeroplan-Meilen verhalten sich, solange sie als flexible Amex-Punkte geparkt bleiben, wie das ETF-Depot – der Wert schwankt zwar mit Devaluationen, bleibt aber liquide und übertragbar. Bei Miles & More gesammelte Meilen ähneln eher einem festgelegten Tagesgeld mit Zuschlagsrisiko, das sich erst beim Abheben, also bei der Buchung, in voller Höhe zeigt.

Amex-Transfer und Family Sharing als Fundament
Für uns im DACH-Raum ist der Transfer von American Express Membership Rewards die primäre Quelle für Aeroplan-Meilen, mit einem Verhältnis von 5 zu 4. Dieser Abschlag von 20 Prozent muss durch eine entsprechend höhere Einlösungsqualität kompensiert werden. Wer 50.000 Amex-Punkte transferiert, erhält 40.000 Aeroplan-Meilen; löst man diese für einen Flug ein, der bei Miles & More 40.000 Meilen plus 500 Euro Zuzahlung kosten würde, bei Aeroplan aber nur 40.000 Meilen plus 50 Euro, ist die Arbitrage rechnerisch eindeutig.
Die Meilen verfallen nach 18 Monaten Inaktivität, was sich durch eine einzelne kleine Transaktion leicht verhindern lässt, und bis zu acht Familienmitglieder können ihre Konten kostenlos zusammenlegen – ein erheblicher Vorteil gegenüber Programmen, die für den Transfer zwischen Konten hohe Gebühren verlangen. Mitte Dezember 2025 habe ich mein Portfolio für das kommende Jahr rebalanciert und dabei gezielt auf Aeroplan gesetzt, weil die Verfügbarkeiten für Transatlantikstrecken bei United und Air Canada deutlich besser waren als die Kontingente innerhalb der Lufthansa-Gruppe.
Mein früherer Projektkollege Fridolin Wächter sieht das anders und jagt lieber von Willkommensbonus zu Willkommensbonus, statt ein einzelnes Programm über Jahre aufzubauen. Als ich ihm die 5:4-Rechnung zeigte, fragte er nur, ob sich der Aufwand einer Dauerstrategie überhaupt lohnt, wenn ein einziger gut getimter Kartenabschluss oft mehr Meilen bringt als ein Jahr Alltagsausgaben. Für punktuelle Sweet-Spot-Buchungen hat er damit nicht unrecht, für ein diversifiziertes Portfolio wie meines ist es aber nur die halbe Rechnung.
Die Stopover-Regel als Renditehebel nutzen
Der größte mathematische Hebel von Aeroplan liegt in der Möglichkeit, für lediglich 5.000 zusätzliche Meilen einen Stopover einzulegen, und das sogar auf Oneway-Tickets. Im zonenbasierten Chart, wie Aeroplan ihn verwendet, lassen sich damit Routings konstruieren, die bei anderen Programmen das Doppelte kosten würden. Bei einer Analyse im Spätherbst 2025 habe ich ein Routing von Frankfurt über Singapur nach Sydney (FRA-SIN-SYD) durchgerechnet: Der Stopover in Singapur für 5.000 Meilen erlaubte es, zwei Ziele zu kombinieren, ohne ein zweites Prämienticket zu buchen.
Trotzdem warne ich vor der Fixierung auf Business-Class-Sweetspots allein. Viele entwerten ihre Meilen faktisch, weil sie die Opportunitätskosten des Amex-Transfers und die Partner-Gebühr von 39 CAD pro Buchung nicht einpreisen – wer für einen kurzen Hüpfer innerhalb Nordamerikas transferiert, verbrennt Kapital. Wer zusätzlich noch die Kreditkarten-Jahresgebühr in die Break-Even-Rechnung aufnimmt, kommt an dieses Thema ohnehin nicht vorbei, dazu aber an anderer Stelle mehr.

Einlösungs-Matrix im Direktvergleich
Um die Effizienz zu bewerten, nutze ich eine standardisierte Matrix, die ich inzwischen genauso oft in der Senator Lounge am Frankfurter Flughafen, Terminal 2, Pier G, wie am eigenen Schreibtisch aktualisiere. Die folgende Tabelle basiert auf realen Abfragen aus dem Zeitraum von Mai 2026 für Flüge im Sommer 2026, gerundet und bezogen auf die Business Class im One-Way-Vergleich.
| Route | Partner Airline | Aeroplan Meilen | Zuzahlung (ca.) | Marktwert (EUR) | Cent pro Meile |
|---|---|---|---|---|---|
| FRA-YUL | Air Canada | 60.000 | 58 € | 3.200 € | 5,23 |
| FRA-EWR | United Airlines | 60.000 | 58 € | 2.900 € | 4,74 |
| FRA-SIN-SYD | SQ / Air Canada | 115.000 | 110 € | 5.800 € | 4,95 |
| MUC-SFO | Lufthansa | 70.000 | 155 € | 3.500 € | 4,78 |
Erkennbar wird: Die höchste Rendite entsteht dort, wo Partner gewählt werden, die bei anderen Programmen hohe Zuschläge auslösen würden. Ein Negativbeispiel aus meiner Datenbank ist der Versuch, kurzfristig Lufthansa First Class über Aeroplan zu buchen – theoretisch möglich, praktisch aber oft so stark kontingentiert oder erst 15 Tage vor Abflug freigeschaltet, dass sich daraus keine verlässliche Urlaubsplanung ableiten lässt. Für jemanden mit festen Projektlaufzeiten ist das ein unkalkulierbares Risiko, keine Sweet-Spot-Strategie.
Fallstricke, die die Rechnung kippen
Trotz der über 45 Partner-Airlines ist Aeroplan kein Selbstläufer. Die Partner-Gebühr von 39 CAD fällt pro Person an, bei einer vierköpfigen Familie sind das bereits über 100 Euro an Fixkosten, die den Cent-pro-Meile-Wert drücken. Hinzu kommt, dass die IT von Air Canada gelegentlich instabil ist – Phantom-Availabilities, also Flüge, die angezeigt werden, aber nicht buchbar sind, treten hin und wieder bei Partnern wie Thai Airways auf.
Ein Leser, Waldemar Böck, schrieb mir vor einiger Zeit und wollte auf den Tag genau wissen, ab wann die 18-monatige Inaktivitätsfrist zu laufen beginnt und ob ein reiner Login ins Konto bereits als Aktivität zählt. Solche Detailfragen zu Verfallsdaten sind kein Zufall: Wer wie er einmal unfreiwillig seinen Status verloren hat, kalkuliert danach jede Frist doppelt nach. Ein wichtiger Punkt bei den täglichen Ausgaben ist außerdem die Wahl der richtigen Kreditkarte für Fremdwährungen – es lohnt sich, hier Meilen sammeln ohne Fremdwährungsgebühr im Blick zu behalten, damit Bankgebühren die Basis des Portfolios nicht unnötig schwächen.
Die Korrektur in der Praxis: Wann Aeroplan wirklich gewinnt
Bei der letzten Steuererklärung fiel mir auf, dass sich die Jahresgebühr der Amex Platinum als Betriebsausgabe absetzen lässt, und ich habe den Break-Even des Amex-Transfers zu Aeroplan komplett neu durchgerechnet. An meinem Schreibtisch, wo eine ganze Wand voller handgekritzelter Programm-Übersichten hängt und jedes Konto seinen eigenen beschrifteten Ordner hat, hörte ich dabei nur den Lüfter des Laptops, während sich die Pivot-Tabelle über mehrere Jahrgänge neu aufbaute. Diese Nüchternheit, nicht die große Kartenauswahl, ist der eigentliche Unterschied zwischen einem Portfolio und einer Sammelleidenschaft.
Die Korrektur des Mythos lässt sich als klare Regel fassen: Aeroplan gewinnt immer dann, wenn ein Partner sonst hohe Zuschläge verlangt, wenn ein Stopover zwei Ziele verbindet oder wenn die Lufthansa-Gruppe für die gewünschte Route schlicht keine Kontingente freigibt – nicht, weil es das "bessere" Programm wäre, sondern weil die Cent-pro-Meile-Rechnung es in diesen Fällen belegt. Wer stattdessen weiter reflexhaft beim Heimatprogramm bleibt, verzichtet auf genau die Rendite, die eine Portfolio-Diversifikation über mehrere Meilenwährungen hinweg eigentlich bringen soll. Die Statuskarte in der Brieftasche zählt dabei wenig, entscheidend bleibt die Zahl in der eigenen Tabelle.